Nanoteilchen gegen Netzhauterkrankungen

(Nanowerk News) Forscher der Universität Regensburg haben Nanoteilchen entwickelt, die künftig in der Augenheilkunde eingesetzt werden könnten. Die nur etwa 50 Nanometer grossen Teilchen setzen sich – nach der Injektion in den Blutkreislauf – an der Wand der Blutgefässe fest, die die Netzhaut versorgen. Damit ist ein erster grosser Schritt hin zur Produktion von „Nano-Transportern“ gelungen, die in Zukunft Arzneistoffe über die Blutbahn ins Auge transportieren. Krankheiten wie die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) oder die diabetische Retinopathie könnten so therapiert werden. Die Forscher haben ihre Nanoteilchen in der renommierten Fachzeitschrift PNAS ("Ligand-functionalized nanoparticles target endothelial cells in retinal capillaries after systemic application") vorgestellt.
Netzhaut mit Nanoteilchen
Mikroskopische Aufnahme der Netzhaut von Mäusen, wobei die Zellkerne blau dargestellt sind. Rot gefärbt sind die Nanoteilchen (teilweise mit Pfeilen markiert), die sich an der Wand der Blutgefäße festgesetzt haben.
Die AMD und die diabetische Retinopathie sind Erkrankungen, die zu massiven Schäden der Netzhaut führen und zu den häufigsten Ursachen für eine Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung zählen. Weltweit leiden etwa 50 Millionen Menschen an diesen Krankheiten. Während bei der AMD genetische Faktoren eine Rolle spielen, handelt es sich bei der diabetischen Retinopathie um eine Folgeerkrankung des Diabetes Mellitus, der Zuckerkrankheit. Gemeinsam ist beiden, dass es jeweils zu krankhaften Veränderungen der Blutgefässe kommt, die die Netzhaut versorgen. Das Absterben von Nervenzellen der Netzhaut ist die Folge.
Die bislang zur Verfügung stehenden Therapien – beispielsweise die Behandlung mit Laser – können zwar den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen. Allerdings haben sie gravierende Nachteile: So ist dabei die Zerstörung von Gewebe möglich oder die Behandlung birgt ein Infektionsrisiko, das selbst zu Erblindung führen kann. Prof. Dr. Achim Göpferich vom Institut für Pharmazie und Prof. Dr. Ernst Tamm vom Institut für Anatomie der Universität Regensburg haben deshalb einen alternativen Therapieansatz erarbeitet, der darauf abzielt, die Blutgefässe der Netzhaut besser für Arzneistoffe erreichbar zu machen.
In der neuen Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) präsentieren die beiden Forscher ihre neueste Entwicklung: Ihnen gelang es, Nanoteilchen mit einem Durchmesser von etwa 50 Nanometern zu entwickeln, die sich nach der Injektion in den Blutkreislauf in der Wand der Blutgefässe festsetzen, die die Netzhaut versorgen. Zu diesem Zweck haben sie auf der Oberfläche der Nanopartikel Moleküle verankert, die an bestimmte Rezeptoren der entsprechenden Zellen anbinden. Für ihre Untersuchungen griffen Göpferich und Tamm auf ein Mausmodell zurück.
Auf der Grundlage der neuen Nanoteilchen könnten bald „Medikamenten-Transporter“ entwickelt werden, die Arzneistoffe gezielt über die Blutbahn ins Auge befördern.
Source: Universität Regensburg